Dankeschön für euer Interesse! 
Je nach Maßstab sind auf der Deutschlandkarte noch kleine Lücken zwischen meinen Fähnchen. (o)
Ich zeige hin und wieder ein Bonbon-Projekt, aber dawzischen habe ich auch die ganz normalen Alltagsbaustellen, die jeder kennt, und die mich vor dem Abheben bewahren.
Mein Traum wäre ein Aufmaß und Bestandsmodell der Chinesischen Mauer, wobei ich darüber nachdenken würde, das mit einer Handvoll Kollegen gemeinsam zu machen. Ich tu mich im Moment noch etwas schwer, die Ausschreibungen zu lesen.
Nochmal zur Kuppel: Die sieht aus den gezeigten Perspektiven niedlich überschaubar aus. Wenn man aber die 44 Höhenmeter Treppenweg bis zur Traufe hinter sich hat, und einen der gebogenen HEA-400 berührungsnah vor sich hat, dann bekommt man einen ganz schönen Respekt vor dieser Aufgabe. Ein Aufmaß mit dem Builder ist dort nicht möglich. Für den Holzbau sind ja nur die oberen Flansche der Träger und deren Anschlussbohrungen interessant. Man findet aber keinen Standort, von dem aus man das mit einem Tachymeter aufnehmen kann. Stattdessen kämpft man sich durch eine Unmenge von Stahlbau- und Architektenplänen.
Dennoch habe ich immer gerne einen Hinweis auf die Genauigkeit der Konstruktion. Daher habe ich ein paar stichpunktartige Maße am Fußpunkt eines Trägers genommen, und bis etwa 3 Meter Höhe die Bohrlochabstände nachgemessen. Alles sehr exakt gebaut. Vor Ort wurde nach dem Richten der Stahlkonstruktion ein Kontroll-Aufmaß mittels Laserscanner erstellt. Die Abstände der Punkte in dieser Messwolke betragen nur wenige Millimeter. Aus dieser Wolke wurden Scheiben ausgeschnitten, die anhand definierter Kontrollpunkte in verschiedene Schnitte und Grundrisse eingefügt wurden. Anhand dieser Punkte lässt sich eindrucksvoll nachvollziehen, wie genau der Stahlbauer hier gearbeitet hat. Die Abweichungen waren so gering, dass ich tatsächlich die Stahlbau-Werkplanung als Grundlage verwenden konnte. Geringe einzelne Verschiebungen bis max. 2 cm habe ich gesehen, und die können an so einer Konstruktion ohne Weiteres an der Baustelle verdrückt werden. Ob ein Pfettenstoß nun exakt mittig über einem 30 cm breiten Träger liegt, oder an einzelnen Trägern bis zu 2 cm daneben sitzt, das ist hier bedeutungslos.
Zum Konstruieren einer solchen Kuppel braucht man einen ausgeprägten Sinn für räumliche Geometrie. Unser Programm kann bislang nicht mit Ellipsenbögen arbeiten, und kann diese auch nicht abstandsgetreu kopieren bzw. vesetzen. Maß aller Dinge war hier die Oberkante der doppelten Schalung. Diese bildet an der breitesten Stelle einen genauen Kreisbogen. Alle anderen Bögen sind im Grundriss kürzer, haben jedoch die selben Trauf- und Firsthöhen, so dass man mit ellipsenförmigen Vergatterungen arbeiten muss. Diese müssen dann um doppelte Schalungsstärke kopiert werden, um die Oberkante der Pfetten zu bestimmen.
Diese Linien braucht man unter jeder Trägerachse und auch mittig in jedem Feld, damit man die jeweils verschiedenen Radien für die Einzelpfetten ermitteln kann. Streng genommen müsste jede Pfette einen ellipsenförmigen Bogen erhalten, auch das habe ich geprüft. Auf der vorgegebenen Segmentlänge ist jedoch der Unterschied zwischen Kreis- und Ellipsenbogen so klein, dass er an der Stelle der größten Abweichung noch deutlich unterhalb 1 mm liegt. Das ist jenseits der Zuschnitt- und Montagetoleranzen, daher bin ich bei Kreisbögen geblieben.
Konvex-Bögen konnte ich nicht mit unserem Programm an die Maschine übergeben. Einen Pfettenplan musste ich ohnehin zeichnen, so dass ich daraus manuell die Maße der Bögen abgegriffen habe, um sie händisch ins EKP einzutippen. Bei der nächsten elliptischen Kuppel wünsche ich mir hier bitte etwas mehr Komfort. :wink:
Insgesamt war das eine herausfordende Aufgabe, die mir viel abverlangt, aber auch viel Freude bereitet hat, und die den Alltag zu einem Erlebnis macht. Auch schön zu sehen, dass die Montageleute aus Ingelheim zufrieden waren. Die Anrufe von der Baustelle kann ich an einer Hand abzählen, da ging es hauptsächlich um kleinere Verständnisfragen, und an keiner Stelle um gravierende Probleme.
Zum Abschluss der Außenmontage hat die stolze Truppe der Zimmerei Felix Harth das Firmenschild in die Webcam gehalten, die ganz regelmäßig und sehr pünktlich zu jeder Viertelstunde ein hochauflösendes zoombares Bild von der Westfassade aufnimmt.
Ich bin bereit für das nächste anspruchsvolle Projekt.