Man kann die Situation so verzwickt schildern, wie es einem gerade einfällt. Dann zählt immer nur das, was wirklich vor Ort ist. Bisher habe ich IMMER einen Weg gefunden. Ich geh doch nicht ohne Maße wieder heim...
Das anhangeln von Passpunkten mache ich nicht gerne, weil sich dabei Ungenauigkeiten addieren, aber es gibt Situationen, bei denen es nicht anders geht. In der Regel wähle ich meinen ersten Standort dann so, dass ich von dort aus gar nichts messe, sondern nur Passpunkte setze, von denen ich mindestens zwei von jedem anderen Standort erreiche.
Ich habe schon Wohnhäuser gemessen, bei denen die Straßenseite sichtbar war, links und rechts angebaute Garagen und direkt anschließende Nachbarbebauung, und kein freier Durchblick zur Gartenseite. Ich habe trotzdem 2 Übertragungspunkte gesetzt, die ich von beiden Standorten anmessen konnte. Einer davon lag etwa in 70 Metern Zielweite an einer Fassade des gegenübeliegenden Gartennachbarn. Ein anderer als von zwei Seiten anmessbare Doppelmarke Auf eine Kante der Garagen-Attika.
Der Anbau hat perfekt gepasst. Dachverlängerung mit Neigungsübernahme des Bestands. samt Verlängerung der vorhandenen Gauben.
Es gab bisher erst eine Baustelle, von der ich ohne zu messen wieder heim gefahren bin. Ein denkmalgeschütztes Gebäude sollte ein neues Dach bekommen, und auf eine alte Balkenlage aufgesetzt werden. Dort war aber keine Konstruktion sichtbar, an die ich zwingend anschließen musste. Verschalungen und Lehm. Ich habe die Stellen angegeben, die freigelegt werden mussten, und habe ein paar Tage später gemessen. Verformte Balkenlage, Windschiefes Dach, Mittelpfetten und Kehbalkenlage blieben erhalten. Dach hat gepasst.
Bei Baustellen mitten im dichten Wald, oder in der engen Stadt, eingerüstet mit Netzen, hat man auch nur eingeschränkte Möglichkeiten. Solange die Flächen, die man messen soll, sichtbar sind, gibt es auch einen Weg, die Maße zu nehmen.
Eine andere knifflige Baustelle stand so dicht an einer tiefen Böschung, dass eine Längsseite des Hauses nicht begehbar war, aber zwingend gemessen werden musste. Von der andern Seite des Baches konnte man das Haus sehen, auch wenn das ziemlich weit weg war. Es war allerdings unmöglich, das Modell über zwei Passpunkte zu verbinden, denn es gab absolut keine Möglichkeit dafür. Oder ich hab sie damals nur nicht gefunden...
Ich konnte eine Ecke der Gaubendachrinne von der "schönen" Seite gerade noch anmessen. Genau diesen Punkt konnte ich auch von der unbequemen Seite anzielen, so dass ich eine neue Datei angelegt hatte. Das Zusammensetzen habe ich später am Rechner gemacht, indem ich den einen Passpunkt übereinander gelegt habe, und das zweite Aufmaß so weit gedreht habe, bis es parallel zum restlichen Gebäude verläuft. Zugegeben, das war geschätzt, aber begründet geschätzt, weil die beiden Giebelbreiten bis aufs äußerste Eck gemessen waren, und die waren nahezu gleich breit.
Das Haus war bewohnt, und im DG sollten Gauben gesetzt werden, deren Achse durch die darunter liegenden Fenster bestimmt wurde. Ein Aufmaß von innen war nicht möglich, weil man teilweise nicht in die Wohnungen kam (niemand zu Hause), und die Fassade konnte man ohnehin nur von außen messen. Mit dem Bandmaß wäre das ganze Aufmaß vollkommen unmöglich gewesen. Selbst mit Gerüst wäre es sehr schwierig geworden.
Ja, es gibt Probleme beim Messen, egal, welche Methode man anwendet. Aber wenn man die Möglichkeiten seines Werkzeugs kennt, und ein paar maßgeschneiderte Hifsmittel mitnimmt, dann lässt sich schon vieles genau messen.
Ich hatte in Nürnberg ein Gebäude zu messen, das aus Betonfertigelementen gebaut war. Pfeiler, Rähme, Waschbetonfassadenplatten, Dachplatten aus Beton, gedämmt, teilweise mit leichtem Gefälle, von dem schwierig erkennbar war, ob das so geplant war, oder ob das Gefälle durch Toleranzen des Unterbaus oder durch Durchbiegung entstanden war. Man glaubt es manchmal nicht, aber auch Beton biegt sich bei größeren Spannweiten deutlich messbar durch. Die Halle war ca. 100 x 55 Meter groß, und sollte eine Etage aus Holz oben drauf bekommen. Teilweise anschließend an die Attika, teilweise wurde das Dach als Lichthof geöffnet, und die neue Konstruktion wurde in den Bereichen ein Stockwerk tiefer innerhalb der Halle aufgelagert. Dort habe ich zwei komplette Tage für das Aufmaß gebraucht, und noch einmal so lange im Büro für das Modellieren am PC. Es gab bereits ein Aufmaß vom Vermesser, das bekam ich auch zur Verfügung gestellt. 2D mit geschriebenen Höhenkoten. Es diente als Grundlage für die Architekturplanung. Zum Aufsetzen der Holzkonstruktion war das aber nicht ausreichend, weil es an den dafür entscheidenden Stellen nicht genügend detailliert war. Die Passpunkte vom Vermesser habe ich also ebenfalls aufgenommen, die lagen teilweise an der Nachbarhalle mit Zielweiten von ca. 130 Metern. Da kommt man mit dem Builder schon nahe an seine Grenzen, aber es hat funktioniert.
Die Attika war noch mit Zinkblech abgedeckt, musste aber in Grundriss und Höhe als Konstruktionskante gemessen werden, Dazu habe ich ein Bauteil auf der Maschine schneiden und mitbringen lassen, das diese Kante eindeutig mit einer Messung aufnehmen ließ, ohne das Blech abzunehmen. Manchmal ist es sinnvoll, sich vorher ein paar Fotos von der Baustelle und ihrem Umfeld schicken zu lassen, um so besser kann man sich auf das Messen vorbereiten.
In Neubiberg hatte ich auch schon eine Zweitagesbaustelle. Zwei Betonschottenbauten, die rundum eine vorgehängte HRB-Fassade bekommen sollten. Da träumt man nachts von Betonsäulen, die nicht im Lot stehen und Deckenkanten, die nicht vernünftig fluchtgerecht hergestellt wurden. Bei solchen Messaufträgen muss man genügend Akkus und Ladegeräte dabei haben, muss für alle Licht- und Wettersituationen gewappnet sein, und teilweise den Arbeitsablauf danach ausrichten, wo die Sonne steht.
Interessante und schwierige Arbeit, aber die Häuser haben schöne gerade Fassaden mit sauberen Anschlüssen zum Beton bekommen. 
Passpunkte außerhalb eines Gebäudes sind manchmal schwierig zu setzen, wenn es keine Nachbarbebauung gibt. Wenn ringsum Feld, Wald und Wiese ist, gibt es keine Möglichkeit, auch nur eine Zielmarke wohin zu kleben, weil das einfach nichts ist, woran man sie kleben könnte. Dafür braucht man praxistaugliche Lösungen. Die habe ich, und die funktionieren hervorragend.
Ebenso hat man bei staubigen Altbauten immer wieder damit zu kämpen, dass die Zielmarken einfach nicht kleben bleiben. Ganz simple Probleme, die einem graue Haare wachsen lassen, wenn man die Marken am liebsten anageln oder mit Spucke kleben will. Auch dafür habe ich eine Lösung.
Manches Wohnhaus muss von außen UND von innen gemessen werden, und man braucht IMMER zwei Passpunkte. Das wird manchmal schwierig, und auch dafür muss man geeignete Hilfsmittel im Koffer haben. Und ich habe verschiedene. Die meisten davon gibt es in dieser Form und mit dieser Funktion nicht im Handel zu kaufen. Erfinden und optimieren von Formen und Funktionen und Materialien macht Spaß! :+: